Stael in Love

Germaine de Staël an Benjamin Constant, 1814

 

Nein, fürwahr, ich vergesse Sie nicht; ich wollte, dass
ich es könnte, denn ich trage einen Schmerz tief in der
Seele, den die Zerstreuung wohl eine Weile beschwichtigen
kann, aber der wieder aufwacht, sooft ich allein bin –
es ist das unwiederbringlich verfehlte Glück! Hätten Sie
den Charakter des mir ergebenen Freundes besessen, so
wäre ich allzu glücklich gewesen; ich verdiente es nicht. –
Sie wiedersehen wäre die Auferstehung meines Geistes
und einer Fähigkeit, zu hoffen, die mit allem übrigen
erloschen ist. – Ich werde nach dem Kontinent reisen,
wenn Sie nicht hierher kommen; mir scheint, dass man
es gegenwärtig kann – aber wer weiß, was aus der Welt
werden wird! (…) Ach Benjamin, Sie haben mein Leben
verschlungen! Kein Tag ist seit 10 Jahren verflossen, an
welchem mein Herz nicht gelitten hätte – und ich liebte
Sie doch so sehr! Es ist grausam – lassen wir das, aber nie
kann ich Ihnen vergeben, weil ich nicht aufhören kann
zu leiden. – Der arme Herr von Narbonne!
Er war nur leichtsinnig, aber er hat sich auch ins Verderben gestürzt
– Suchen Sie mir Ihre Pläne bestimmt mitzuteilen – die
meinen hängen sehr von Albertinen ab; was soll aus ihr
werden? Bis jetzt gefällt ihr das nicht, was sich geboten hat,
und dies Land ist wunderlich. –

 

Ach, das Sandgebäude des Lebens ist ein mühselig Ding,
und nichts hat festen Bestand als der Schmerz. –
Schreiben Sie mir!


 

Dank ihrem Buch De L‘Allmagne ist Deutschland das ‚Land der Dichter und Denker‘: Germaine de Staël. Die Schweizer Schriftstellerin ist eine schillernde Figur ihrer Zeit. Bereits ihr Vater Jacques Necker ist Finanzminister unter Ludwig XVI, ihr Ehemann ist Botschafter und sie selbst genießt diplomatische Immunität. Sie mischt sich in die französische Politik ein und hatte eine skandalträchtige Affäre mit dem französischen Kriegsminister. 1794 begegnet sie der Liebe ihres Lebens: dem Literaten und Politiker Benjamin Constant, der jedoch eine andere heiratet.  

 


Ein kurzes Portrait über Germaine de Stael gibt es im Deutschlandfunk Kultur unter diesem Link

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