Wieland in Love

  

Sie wissen, mein Freund, dass ich eine Frau habe, aber Sie wissen noch nicht, dass ich glücklich genug gewesen bin, vielleicht die einzige in der Welt zu bekommen, welche in allen Stücken dazu taugte, meine Frau … zu sein. Ich habe sie so herzlich lieb, als jemals ein ehrlicher Mann sein Weib lieb gehabt hat. – Sie macht mich in der Tat glücklich, ob sie gleich kein idealisches Mädchen ist.

 

(Wieland an Zimmermann am 10. Juli 1766)  

 

 

Sophie Gutermann, die spätere Sophie von La Roche (1730-1807), ist die Großcousine Wielands. Er lernt sie kennen, als sie zu Besuch bei seinen Eltern in Biberach ist. Wieland verliebt sich in sie. Die beiden verloben sich, doch Sophie löst sich 1753 von dieser Bindung, um Georg Michael Frank von La Roche zu heiraten, den vermutlich unehelichen Sohn des Grafen von Stadion. Wieland, der mittlerweile in Bern wohnt, ist zutiefst unglücklich über Sophies Entscheidung. Doch es kommt zu vielen Wiedersehen und einer lebenslangen Freundschaft und engen Verbundenheit: In den 1760er-Jahren leben sowohl Sophie von La Roche als auch Christoph Martin Wieland in Biberach – Sophie auf Schloss Warthausen, Wieland als Kanzleiverwalter in seiner Dienstwohnung neben dem Rathaus. Wieland gibt zudem sowohl La Roches erstes als auch ihr letztes Werk heraus. Mitunter durch Wielands Unterstützung geht Sophie von La Roche als Deutschlands erste Bestsellerautorin in die Literaturgeschichte ein.

  

Die Briefe an Sophie von La Roche verfasst Wieland hauptsächlich in französischer Sprache, die seit dem 17. Jahrhundert als europäische Kultursprache gilt. Gewiss ist es in Wielands Interesse, sich bei seiner Verehrten als besonders gelehrt zu zeigen und sein Sprachtalent unter Beweis zu stellen. Auch La Roches Antworten sind in Französisch geschrieben.

  

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Nach der Trennung von Sophie im Jahr 1753 vergnügt sich Wieland in Zürich zunächst mit älteren Damen. 1759 zieht er nach Bern und lernt dort Julie Bondeli kennen, die er „mehr hässlich als schön“ findet. Kurze Zeit später verlobt er sich mit ihr, lässt sie jedoch 1760 sitzen, um als Kanzleiverwalter in Biberach zu arbeiten. Hier verliebt sich der mittlerweile 28-jährige Wieland 1761 in die 19-jährige Sängerin Christine Hogel (genannt „Bibi“). Er möchte sie heiraten, aber er ist evangelisch und sie katholisch – ein Skandal in Biberach zu jener Zeit. Selbst als Bibi 1764 ein Kind von Wieland bekommt, ist es den beiden nicht möglich, zu heiraten. Das Kind verstirbt nach wenigen Monaten und die Spuren von Bibi verlieren sich, als sie Biberach verlässt. 1765 heiratet Wieland im Alter von 32 Jahren die 19-jährige Anna Dorothea von Hillenbrand aus Augsburg. Es ist eine von den Eltern arrangierte Ehe. Doch spätere Briefe zeigen, dass Wieland eine tiefe Zuneigung zu seiner Ehefrau entwickelte. Die beiden bekommen 14 Kinder, acht von ihnen erreichen das Erwachsenenalter.